Highflyer

Überflieger und Störenfried
hochbegabt, na und?

 
Unterforderung macht traurig

Erfahrungsberichte

Gerne würde ich an dieser Stelle einen Auszug Ihrer Erfahrungen mit dem entsprechenden Datum versehen einflechten.

E-Mail einer Mutter vom 06. Februar 2009
Name geändert


Leider erkenne ich meinen Sohn in dem Erfahrungsbericht der Mutter von Jan auf Ihrer Website absolut wieder - Kilian (9), ist ein super Schüler und Sportler, aber seine Verhaltensnoten sind unter aller Kanone... Im ersten Schuljahr schrieb ich das alles seiner jugendlichen Wildheit zu und witzelte, ob man ihn die 2.Klasse vielleicht nicht überspringen lassen solle, doch verfolgte ich den Gedanken nicht wirklich weiter... In der 2. Klasse dann, hagelte es öfter Strafarbeiten, ohne dass seine schulische Leistung zu wünschen übrig gelassen hätte - er brachte sozusagen eine 1 in Deutsch und gleichzeitig eine Strafarbeit mit nach Hause - und ohne, dass seine Lehrerin jemals ein Gespräch mit mir gesucht hätte, war ich dann, wie gesagt am Ende des Jahres von seinen Verhaltensnoten geplättet. Er bekam jetzt in der dritten Klasse die Schulpsychologin als Klassenlehrerin und ich klagte ihr mein Leid und wir besprachen, dass sie mich umgehend informieren wollte, wenn sich heraus kristallisierte, wo diese Verhaltensnoten herrührten. Erst jetzt hatte sie ein Gespräch mit meinem Mann, wo sie sagte, dass Kilian sich seit Weihnachten unmöglich benähme (im Sinne von sich nicht melden und einfach, noch bevor der Lehrer im Endeffekt die Frage beendet hätte, die Antwort bereits in den Raum riefe/er schon einige Zusatzaufgaben bekommen hatte, von denen ich gar nichts wusste - er hatte sie wohl mal schnell nebenbei irgendwo und irgendwann erledigt und immer mit den Kumpels am rangeln sei...) und das schlage sich nun eben im Zeugnis wieder, was ich nicht fair finde. Hatte sie mir doch gesagt, sie würde mich informieren und das Verhalten kann sich doch nicht an diesem Zeitraum festmachen lassen! Wutentbrannt habe ich dann Ihre Internetseite entdeckt und Kilians Lehrerin den Artikel über Jan und die schönen Sprüche in die Hand gedrückt und werde Montag nochmal bei ihr auflaufen, denn wenn es sich wirklich so verhält, dass mein Kind hochbegabt und somit gänzlich verkannt wird, dann muss ich doch etwas tun, oder, wobei sich Kilian heute wohl "benommen" und sich gemeldet und dafür von ihr ein ausdrückliches Lob bekommen hat... Und deshalb wende ich mich heute an Sie, weil ich wütend, traurig und sehr enttäuscht bin und nicht weiter weiß. Was ist in so einem Falle zu tun? Wo kann ich mein Kind z. B. testen lassen? Ich habe sogar schon in Kooperation mit Kilians Kinderarzt mal in Richtung ADS vorgefühlt, aber bereits bei dem Fragebogen wusste ich, dass es das nicht sein kann - nichts davon traf zu. Gibt es spezielle Ärzte für solche Kinder, macht der Hausarzt einen Intelligenztest, oder doch ein (Kinder-) Psychologe? Bitte helfen Sie mir...


Meine eigenen Erfahrungen mit einem hochbegabten Kind mit dessen Lehrern und Mitschülern.
Jan war schon im Kleinkindalter sprachlich auffällig im positiven Sinne. Dies habe ich allerdings keiner Hochbegabung zugeschrieben, sondern dem täglichen Umgang mit der Sprache bei uns zuhause. Es wurde viel und korrekt gesprochen und erklärt. Er war extrem geräuschempfindlich. Im Kindergarten hat er sich nur sehr schwer einfinden können, wie schon auf der Titelseite beschrieben. Im dritten Kindergartenjahr hat er dann beim Spielen ein Mädchen so heftig getreten, dass die Kindergärtnerin ein Gespräch suchte. Wir konnten uns sein Verhalten nicht erklären. Vielleicht hat er ein Problem mit der Wahrnehmung, denn bösartig war mein Sohn nicht. Auf Anraten der Kindergartenleitung sollte ich ihn 3 Wochen vor Beginn der großen Ferien aus dem Kindergarten holen, da er keine Lust mehr hatte dorthin zu gehen und es sonst vielleicht noch zu einem unschönen Ende käme. Er wollte endlich in die Schule. Er freute sich sehr darauf.  Er war gerade 6 geworden. Anfangs war auch alles wunderbar. Es sollte aber nicht lange dauern und ich hatte ein Gespräch mit der Lehrerin, diese teilte mir mit, dass Jan Schwierigkeiten hätte zu warten bis er dran sei, den Unterricht stört und in den Pausen sehr ungestüm sei und dabei andere verletzt. Es vergingen keine zwei Wochen ohne Eintrag in das Miteinander-reden-Heft. Immer wenn ich das Kind von der Schule abholte, rechnete ich mit einem neuen Bericht der Lehrerin, was das Kind denn nun schon wieder angestellt hat. Es ging hin und her und ich wusste nicht was ich mit meinem Sohn machen sollte. Sein Bewegungsdrang war enorm und so suchten wir dann im 2. Schulhalbjahr eine Psychologin auf um feststellen zu lassen, ob Jan vielleicht ADHS hat. Es wurde ein Aufmerksamkeitstest CPT, sowie der Intelligenztest AID2 durchgeführt, dabei stellte sich heraus, dass Jan im Bereich der Grenze zur Hochbegabung liegt im VT (Verbalteil) mit 139 und im HT (Handlungsteil) mit 116 und einem IQ von 128,4. Es konnte nicht abschließend festgestellt werden, ob sein unangepasstes Verhalten durch eine  Unterforderung  oder durch ADHS begünstigt wurde. Seine Noten waren einwandfrei, aber die Hausaufgaben waren eine Tortur; er langweilte sich sehr. Wir suchten erneut Rat bei einem Psychologen der Kinderklinik in Schwabing. Jan wurde wieder allerdings mit dem HAWIKIII getestet. Diesmal fiel die Diagnose für die Hochbegabung deutlicher aus mit einem VT  von 155 und einem HT von 104 einem errechneten IQ von 135. Da Jan sich in Testsituationen gut konzentrieren kann, ist noch immer nicht geklärt, ob er an ADHS leidet oder nicht (wobei wir uns hier die Frage gefallen lassen müssen, wer wirklich darunter leidet, er oder wir?). Nachdem wir dann im dritten Schuljahr "GOTT SEI DANK" mit einer Klassenlehrerin gesegnet wurden, die zudem Schulpsychologin ist, ging es Jan und mir deutlich besser. Seine Lehrerin versuchte ihn mit zusätzlichen Aufgaben zu motivieren. Er hatte das Glück (oder Pech), dass, auch wenn er nicht aufpasste, er trotzdem wusste worum es ging. Dies sah nicht jeder Lehrer mit Wohlwollen. Es liegt wohl in unserer Natur, dass, wir  uns auf den Schlips getreten fühlen, wir es persönlich nehmen, wenn ein Kind unsere Bemühungen ihm etwas mit auf den Weg zu geben, mit einem Ausdruck des Gelangweiltseins quittiert. Wir waren uns einig, dass Jan mehr gefordert werden muss, damit sich sein Verhalten ändert und er nicht den Spaß am Lernen verliert. Zusammen mit seiner Klassenlehrerin erwogen wir ein Überspringen. Dies fand dann zum 2.Halbjahr der 3. Klasse statt. Er sprang in das 2. Halbjahr der 4. Klasse dieses dann allerdings auch an einer anderen Schule, weil er in seiner alten Schule nicht in die 4. Klasse wollte. Es folgte eine intensive Vorbereitung des Lehrstoffs in den Frühjahrsferien. Es war sehr schwierig für Jan in der neuen Klasse Fuß zu fassen, da hier schnell herauskam, dass er gesprungen war wurde er am Anfang gehänselt, auch war die Lehrerin noch von der alten Garde alle hören auf mein Kommando. Sie war bemüht um die Kinder, die Schwierigkeiten hatten und Jan hatte damit wieder jede Menge Zeit für Blödsinn. Er hat sich aber durchgebissen und ist mittlerweile am Gymnasium in der 5. Klasse mit zwei ihm sehr  wichtigen Klassenkameraden aus der 4. Klasse. Auch hier werden wieder Frösche gefaltet und die Hände bekritzelt und noch gute Noten geschrieben. Ich hoffe, dass Jan mit der zweiten Fremdsprache endlich ein bisschen Auslastung erfährt. Mit dem Bruder seines Schulfreundes wurde schon diskutiert, welche Klasse er denn überspringen könnte, dieser schlug vor: "Am besten die neunte, da wird eh nur wiederholt. In der 6. Klasse freut sich Jan an der französischen Sprache. Seine Noten sind passabel. Seine soziale Reife bildet sich nur langsam aus. Der vermeintliche Freiraum in den Fächern wie Sport und Kunst wird von ihm manchmal noch ausgenutzt. Nun ist er in der 8. Klasse sein Anspruch an guten Unterricht schwindet, sowie der an seinen Noten, aber er kommt trotz der Langenweile, die ihn oft plagt, gut mit. Jan ist mittlerweile ein sehr hilfsbereiter und akzeptierter Mitschüler. In der 9. Klasse hat Jan einen überaus guten Start hingelegt. Seine Lieblingsfächer meistert er mit Bravur. Mittlerweile hat er erkannt, dass auch Fächer, die ihm nicht besonders liegen ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erfordern.